Der Begriff der Hermeneutik leitet sich vom
griechischen Hermeneuin, deuten, interpretieren ab und wird gewöhnlich als
Lehre vom Verstehen, als Kunst der Auslegung betrachtet.
Die Idee dieser Auslegungskunst findet ihren
Ursprung in der Zeit des humanistischen Ideals, da man Texte antiker oder
biblischer Herkunft auf Wahrheit prüfte.
Im 16. Jahrhundert galt es deshalb ein
Regelwerk des Untersuchens zu schaffen, welches das Verständnis zwischen Deuter
und klassisch -theologischem Texte erleichtern und vereinfachen sollte. Es galt
darüber hinaus ein System zu entwerfen, welches den Interpretationsansatz in
eine wahre und richtige Bahn leitete.
Da diese systematische Untersuchungsform im
Gegenzuge zur Scholastik des Mittelalters stand, ist sie auch als eines der
vorläufigen Modelle irrationalen Denkens prägend.
Philosophen, wie Schleiermacher und Dilthey,
erweiterten die humanistische Ideenwelt im 19. Jahrhundert, indem sie den
Betrachter der Texte, also den Leser, in ihre untersuchenden Ansätze mit
einbanden, was heißt, daß sie die Art der Interpretation als eine
Rekonstruktion des Psychologischen erfaßten.
Laut Schleiermacher bedeutet selbiges, daß
der Lesende, Untersuchende den Kern des Textes durch die genaue Betrachtung
wahrnehmen könne, sprich im interpretierenden Akt den Denkweg zu erkennen und
somit die schöpferischen Ideen des Autors zu freizulegen.
Für den Interpretierenden solle der
Grundgedanke nachvollziehbar sein und somit der Gehalt des betrachteten
Kunstwerk klar werden.
Im hermeneutischen Ziele Diltheys ging es
vorwiegend um eine Abgrenzung des irrationalen vom rationalen Elemente.
Er trennte die Naturwissenschaften von den
verstehenden Geisteswissenschaften und unterstrich die Bedeutung des
Sprachdenkmals, also des literarischen irrationalen und machte deutlich, daß
der Vorgang der Interpretation, rein individuell und frei zu vollziehen sei.
Wie ich schon erwähnte spielte auch im 20
Jahrhundert die hermeneutische Bewegung eine tragende Rolle in der
Philosophiegeschichte. Hier ist es nicht nur Eco der die Lehre vom Verstehen
mit der des Strukturalismus mittels der kulturellen Semiotik zu verbinden
sucht, nein auch schon zu Beginn dieses Jahrhunderts beschäftigten sich Edmund
Husserl, der rechtsgerichtete Heidegger und dessen Schüler Hans Georg Gadamer
mit einer neuen Art von untersuchender Auslegungskunst. Diese neue Richtung der
Interpretationsweise, wird gemeinhin als "offene" bezeichnet.
Das Verständnis des Lesenden ist hierbei
nicht nur das Verhältnis des Lesers (Subjekt) zum Texte, sondern Teil des
Geschehens, des wirkungsgeschichtlichen, daß die geschichtlichen, historischen
Veränderungen berücksichtigen und somit den "Horizont" des
Interpretationsaktes, der Erkenntnis, mit einbezieht.
Diese Vorgehensweise wird gemeinhin als
Horizonttheorie bezeichnet.
Der Zusammenhang der Bedeutung des Textes ist
dem Interpretierenden als vergangene Wirklichkeit nie erfaßbar und damit
unverständlich. Das Phänomen der hermeneutischen Untersuchung ist von Heidegger
und anderen als Zyklus erfaßt worden. Der Vorgang wird von ihnen als
"Hermeneutischer Zirkel" bezeichnet d.h., daß sich das Verstehen und
die Interpretation (die Vorgehensweise des Untersuchens) von Teil und Ganzem
eines Textes, kreisförmig aufeinanderbezieht.
Zur Erklärung: Der Teil muß verstanden
werden, um das Gesamtwerk zu deuten, sowie das Gesamtwerk klar sein muß um den
Ausschnitt zu verstehen. Sind Teil und Gesamtwerk erfaßt, bedeutet dies, daß
Erfahrung, Reflexion und Forschung möglich sind.
Die Theorie Heideggers umfaßt die
Hermeneutik, bindet alle Facetten verstehender Erkenntnis, da jegliche Form von
Wissen auf Auslegungskunst beruht.
Paul Ricoer, ein französischer Philosoph,
radikalisierte Heideggers und Gadamers Idee, indem er die Hermeneutik im
linguistischen Bereiche zu erweiten suchte.
Durch diese Verbindung sollte die Interpretation, stärker als bisher
geschehen, zum soziologisch-historisch-sprachlichen Phänomen werden.
Wichtig kann die hermeneutische Idee auch zum
interpretieren der Gedichte, Aphorismen und der Märchenutopie sein, die ich auf
dieser Seite veröffentlichte. Doch dabei soll niemals zu kompliziert gedacht
werden; ein Erkennen des künstlerischen Gehaltes kann schon im Sinne Diltheys
und Schleiermachers geschehen, die die Art der Interpretation als eine
Möglichkeit der Erkennung darstellen. Für mich ist diese auch die logischste
Art und Weise in der Untersuchung vorzugehen.
Sicher Heidegger, Gadamer und auch Husserl
sind in ihrer Art ebenfalls logisch; jedoch zu kompliziert um sie bei einem
Gedichte wie dem „Friedenszug“ anzuwenden, da man hier viel mehr mit dem
Gefühle arbeiten muß.
Eine Gedichtinterpretation ist für mich
nichts weiteres als eine assoziative Gefühlskundgebung; eine Darstellung der
Reaktion der Seele.
So vielleicht sollte man auf die Ausschnitte
reagieren, denn beruht nicht alle Lebensphilosophie auf Gefühl und somit auf
einem der höchsten Güter der Irrationalität?
Uwe Kraus Kaiserslautern, den 28.04.2001