Es begab sich zur Zeit des Diktators Cogite, der auf dem Kontinente Cogito, seinem Kontinente, sein Unwesen trieb und versuchte durch Lehren der Vernunft und des Verstandes die Menschen des Reiches zu unterdrücken und zu terrorisieren.
Cogito war ein kleines
Reich, mit wenigen Einwohnern und wenigen Bergen, kurzum es war eine
unentdeckte Insel eines aggressiven und rachsüchtigen Herrschers. Auf der Insel
selbst gab es nur eine Stadt, der Cogite den Namen seiner selbst gegeben hatte.
Weit ab der Stadt,
prangte ein Berg, den niemand genau zu kennen vermochte. Auch wußte niemand,
daß hier ein Zauberer, der letzte seiner Art, wohnte, der einsam war in seiner
einmaligen Existenz, der nur wünschte er könne etwas für das unterdrückte Volk
tun, aus ihnen Zauberer machen, Zauberer die den Bösewicht verdrängen und die
Insel in seinem Angesicht zu einem Gegenstücke formen würden, denn Terror, wie
ihn Cogite ausübte, unterdrückte die Magie des einzelnen. Deswegen nannte er
auch seinen Berg den Magischen Felsen, den niemand sonst so nennen konnte, da
Worte wie Magisch als verbotene Gegenstände der Sprache des
vernunftorientierten Führers zu gelten hatten. Zahlen und Figuren waren
Schlüssel der Welt, Märchen und Gedichte blieben als Trugbilder verkannt. Doch
Märchen und Gedichte waren es, der Meinung des Zauberers nach, die den
gottlosen Kontinent retten konnten und so grübelte er tagein tagaus an einem
Plan, der die Welt des Cogite in die Welt eines märchenhaften Paradieses
umformen sollte und somit durch die Kraft einer Revolution der Magie, die Macht
der Soldaten des Führers stillegen. Doch er grübelte vergebens und die böse
Macht wurde immer mächtiger. Die Freude der Menschen wich, da sie in Fabriken
arbeiten mußten und keine Besserung in Sicht war.
Doch eines Tages bekam
der Zauberer die gesuchte Illumination: Er mußte einen Menschen erschaffen, der
Genie und Talent besaß, Zauberkraft, Agitationswitz, Esprit und donnernde
Wortgewalt. Dieser Mensch sollte Cogite überlegen sein, ihn verdrängen und die
Menschen zu seinen gewünschten Magiern und Zauberern wandeln.
Doch wie war dies
möglich; ein schöpferisches Ich zu bilden, das Herrenmensch sei und die
Sklavenwelt kannte, also ein Übermensch, ein Überzauberer, dem die Bürger des
Kontinents Gehör liehen, ihm folgten und eine solch gewagte Revolution
angingen?
Der Zauberer meditierte,
um Antworten zu finden. Er ging in sich selbst, um den nötigen Zauberspruch zu
suchen, der den Geist der Revolution entstehen lassen könnte, doch er fand keine
Antwort.
Immer mehr vertiefte er
sich und die Zeit verrann. Doch die Antwort die er finden mußte, um die Insel
zu retten und Cogite zu stürzen, blieb im Ungewissen.
Eines Tages, als das
sich Sonnenlicht über seinen magischen Berg ergoß, erschien vor dem Fenster
seiner Hütte ein kleiner Hänfling, der ein wunderbares Lied zu singen
vermochte. Der Zauberer vernahm den Gesang des kleinen Vögelchens und um ihn
besser hören zu können ging er ins Freie, hinaus aus seiner Hütte.
Tatsächlich, die Sonne
stand am Firmament und der Gesang des Vogels drang an sein Ohr. Plötzlich, als
der Magier sich auf einen Stein gesetzt hatte, flog der Vogel auf seine
Schulter und sprach;
„Suchst Du den großen Zauberspruch, um die Insel zu retten, so mußt Du Kraft deiner Gedanken, den Namen formen, der deine Gedanken vereint. Wenn Die richtige Wahl des Ausspruches gefunden hast, so sind die Götter dir gnädig und senden Dir den Meister der Cogite vernichten wird und die Natur unserer Insel mitsamt ihrer Einwohner retten kann.
Doch wenn Du den Namen
aussprichst, bedenke Deine Überlegungen des schöpferischen Ichs mitsamt derer
des Überzauberers;
Verbinde beide und die
Natur ist mit dir, denn du bist die letzte Hoffnung selbiger.“
Der Vogel entflog, bevor der Zauberer, ganz von Sinnen, ihn weiteres fragen konnte. Nun aber, wußte der, daß seine Überlegungen, des Schöpferischen und des Überzauberers richtige waren, auch wußte er um der Götter Hilfe, so er den richtigen Namen würde ersinnen können.
Wichtig war für ihn die
Verbindung des Überzauberers mit dem Schöpferischen Ich, die er mittels seiner
Gedanken, durch die Natur, zu schaffen hatte, nun, da ihm das Vögelchen die
nötige Kraft und Stärke zum Weiterdenken geschenkt hatte.
Doch wieder stand er vor
verzweifelten Versuchen, so wollte er den Hänfling noch ein Mal um genaueres
fragen. Zwei Wochen vergingen, doch der Vogel zeigte sich nicht wieder.
In der dritten Woche,
nach der Begegnung der beiden, erstrahlte die Sonne erneut und vor der Hütte
erschallte der Ruf einer Eule. Der Zauberer war verzweifelt, so ging er hinaus
um die alte kluge Eule um Rat zu bitten:
„Liebe, kluge Eule, kennst Du vielleicht das Geheimnis des Schöpferischen und des Überzauberers?“
„Oh, ja, dies kenne ich: Gib Deiner Vision einen Namen und die Götter
werden Dir einen Menschen schicken, der alles verbindet.
Du mußt nur einen Namen
erwählen, der schöpferisch und zauberhaft ist, der beides verbindet. Wähle klug
und die Natur ist mit Dir.“
Der Zauberer sprach:
Das weiß ich schon, liebe Eule. Entfliege nicht, nenn mir den Namen,
ich brauche Deine Hilfe. Wenn Du mich weiterhin alleine denken läßt, so
verzweifle ich und meine Zauberkraft wird schwinden.“
Die Eule antwortete:
„Nenn ihn wie Du Dein eigenes Kind nennen würdest, dann sind die
Bedingungen erfüllt, wähle die schönste Möglichkeit und der Zauber ist perfekt.
Der Mensch wird erscheinen, die Welt wird gerettet.“
Mit diesen Worten entschwand
die kluge Eule, noch ehe der Zauberer sie hätte noch mehr fragen können.
In Gedanken vertieft, einen
Namen zu finden, den er seinem eigenen Kinde geben würde, ging der Zauberer
schweren Herzens, doch seltsam erleichtert zurück in seine Hütte.
Er suchte in all seinen
Büchern nach Namen, die ihm schöpferisch erschienen, tauglich. Er suchte nach
dem besten Namen, der je auf der Welt Verzauberung auslösen könnte, der die
Götter zufrieden stimmen und stark genug sein würde, einen so mächtigen Rivalen
zu schlagen.
Immer wieder durchstöberte
er seine alten Werke, bis er ein solch zauberhaftes Gedicht fand, ihm Mut und
Kräftigung zu geben.
Die Zeilen ließen ihn nicht
mehr ruhen, sie machten ihn neugierig, denn er hatte sie lange nicht durchdacht
und nun fragte er sich ob selbige, also die Hauptperson des Gedichtes, ihm
würde helfen können. Allein der Titel des Werkes machte ihm Hoffnung,
„Sebastian im Traum“, so lautete der Name des alten Werkes aus einer anderen
Welt, so schien es, aus einer Traumwelt, einer Phantasie der Dunkelheit. War es
nicht das, was er gesucht hatte, einen Traum, der aus dem Dunkel ins helle
trat, ein Genie das mit ihm, aus einem Traum heraus, einen neuen bauen, die
Welt retten und Frieden über das Land bringen würde?
Er entschloß sich, durch
diesen mystischen Gedankengang, seinen Helfer Sebastian zu nennen. Sebastian,
der Schöpfer des neuen Traumes, seines Traumes.
„ Sebastian im Traum,
Heilige Nacht“, diese Zeilen des Gedichtes faszinierten ihn, es schien als wäre
das Wunder schon geschehen, sein Traumbild schon erschienen. Vor Freude
jauchzend und tanzend, um des Zaubers willen, fast schreiend, stolperte der
Zauberer durch den, vom Herdfeuer erleuchteten, Raum. Alte Kerzen wurde
entzündet, die Hütte erquoll unter der Leuchtkraft des Feuers, das magisch den
Kessel, der über ihm stand, zum Glühen brachte.
Der Zauberer wußte, daß nur
dieser Name ihm helfen konnte. So bestieg er noch in dieser Nacht den Gipfel
des Berges, auf daß ihn die Götter besser zu hören vermochten und rief in die
dunkle, beängstigende Nacht, den Namen, den er erwählt hatte.
Mit einem Male wogte das
Land. Der Himmel schien bersten zu wollen. Blitz und Donner erhallten vom
Himmel herab. Nun wußte der Zauberer von der Richtigkeit der Wahl seines
Herzens. Er wußte, daß er die Götter zufrieden stimmte und sein Bild erscheinen
würde. Stunden wartete er auf dem Gipfel, bis das Meer von Blitz und Donner
verstummte.
Enttäuscht, daß kein
Sebastian, kein Zauberer, keine Regung eines solchen erschienen war, ging er
durchfroren zu seiner Hütte zurück um sich am Herdfeuer zu wärmen.
Als er den steilen Hang des
Berges hinter sich gelassen hatte zeigte sich vor seinem Angesicht die alte
Hütte, seine Hütte. Doch warum war nach der langen Wartezeit das Feuer nicht
erloschen? Aus dem Kamin stiegen dicke Rauchschwaden in den mondbestrahlten
Himmel und nicht nur das, die Kerzen, die er bei seinem Aufbruch gelöscht
hatte, erhellten den Raum des Häuschens, der Hütte und ein verzaubertes Licht
drang aus den Fenstern in die Nacht hinaus.
Wie war das möglich, so
fragte sich der Zauberer und er bekam ein beklemmendes Gefühl.
Hatten etwa Soldaten Cogites
seinen Unterschlupf entdeckt?
Mit allem Mut der ihm zu
Verfügung stand, lugte er durch eines der Fenster. Im Kerzenschein konnte er
ein kleines Männlein entdecken, ja fast einen Zwerg, das es sich in seinem
Sessel bequem gemacht hatte.
Mutig, da er vor einem so
kleinen Mann keine Angst verspürte, öffnete er, mit dem gewohnten Knarzen, die
alte Holztür und der Gnom erschrak.
„Wer bist du?“ fragte der Zauberer, “Bist du gekommen um mich
auszurauben? Oder hat Cogite dich geschickt?“
Mit keinem Gedanken kam es
ihm in den Sinn, daß dies sein gewünschter Sebastian, der Überzauberer hätte
sein können.
Das Männlein antwortete:
„Du hast mich in eben dieser Nacht gerufen. Von dem Gipfel dieses
Berges. Hier bin ich, bereit Dir zu helfen und gegen den Terror des Diktators
anzukämpfen, mit Wortgewalt und Zaubermacht.
Ich will Dir und den Menschen dieser Insel mit der Kraft die mir
gegeben wurde, mitsamt meiner Intelligenz, der göttlichen, zeigen was Magie
sein kann.“
Der Zauberer stotterte:
„Du...Du bist Sebastian? Der Sebastian im Traume, den ich mir so
sehnlichst gewünscht hatte? Der Sebastian, an dem ich beinahe verzweifelt wäre?
Oh ihr Götter, ihr gnädigen Götter, ihr habt mich erhört! Mein Flehen
und Denken war nicht umsonst.
Nun wird alles gut werden und die Sonne wird bald über dem Lande
erstrahlen, zu Recht, denn die Menschen werden wieder glücklich sein, die Natur
wird leben. Alles bekommt seinen ursprünglichen Sinn wieder, alles wird richtig
sein, menschlich. O Sebastian, wie habe ich um Dich gefleht, gesucht und nun
bist du da, der Schöpfer der magischen Revolution, des neuen Denkens und
Handelns.“
„Weiser, kluger Zauberer“, so sprach der Genius, “Die Götter gaben mir
den Auftrag, durch deine Ideen, die Welt zu neuem Glanze zu bringen. Du sollst
mich behandeln wie dein eigenes Kind, ich werde fortan auf dich hören und meine
Denkweise mit der deinen zu verbinden suchen. Ich weiß um den Terror der auf
dieser Insel herrscht, von Menschen die, in grauen Kutten, traurig ihr Tagwerk
verrichten müssen, in Fabriken arbeiten und von der Feudalmacht des Cogite, der
durch die Vernunft sein Unwesen treibt, die Magie entzauberte und der Erde des
Landes mitsamt seinen Bewohnern, die Freude des Lebens stahl.
Auch weiß ich, daß Deine Ideen der Welt bessere sind, ich hörte Dich im
Schlaf sprechen vom märchenhaften Paradies, von der Hoffnung die du Märchen und
Gedichten zuteilst, die du der Natur zusprichst, deshalb will ich Dir helfen,
daß deine Träume die Welt zu besserem umkehren.“
„Doch“, sagte der Zauberer, „Du weißt noch nicht alles. Du weißt nicht,
daß das letzte Mittel der Freude der Bewohner, durch etwas möglich wird, was
Cogite Geld nennt.
Die Menschen leben in einer Gesellschaft, die nur Arbeit einschließt,
Geld und Gut, letzteres sind Dinge die dem System genommen werden sollten, da
sie das Land vernünftig machen und damit die Macht ihres Führers stärken.
Geld, Macht und Gut müssen ersetzt werden, wenn die Welt zum Paradiese
werden soll. Anstelle von Geld und Gut, das Macht stärkt, muß Magie und Kunst
treten, damit die Menschen erkennen wie sinnlos die Existenz von materiellen
Werten ist, damit auf Cogito ewige Freude währt, die durch den Willen des
einzelnen heraufbeschworen wird.“
„Das klingt gut Zauberer, doch wie willst Du dies alles ermöglichen?
Wie sollen die Menschen verstehen, daß die Vernunft und all ihre Ausartungen
unnütz sind, daß die Welt des reinen Verstandes zu einer Magie hin
transzendiert, die die Pole schmelzen läßt und dadurch Märchen und Gedichten
Aufmerksamkeit zuteil wird?“
Der Zauberer lächelte, denn
er hatte in dieser langen Wartezeit viele Pläne entworfen und wußte um die
Genauigkeit der Idee, auf die Sebastian ihn ansprach.
„Ich habe viel überlegt, mein lieber Sebastian, und bin auf eine Idee
gestoßen: Ich denke man muß den Menschen dieser Welt Botschaften schicken, die
den Plan, die das Vorhaben realistischer machen. In meinen schlauen Büchern
habe ich mich kundig gemacht, wie diese Zaubersprüche aussehen könnten, die die
Cogitoianer wachrütteln, die das Selbstbewußtsein des Volkes restaurieren.“
Sebastian blickte erstaunt,
denn er hatte keinen so überlegten Plan erwartet. Er sprach:
„Nenn mir einen dieser Sprüche, ich will wissen, welche Art von Zauber
diese sein sollen, denn ich kenne keinen solchen, der ein ganzes Volk
verzaubert. Auch wenn ich ein Überzauberer bin, weiß ich nicht auf welche Art
genialer Macht Du Dich beziehst. Auch meine Schöpferischen Eingebungen sind
beschränkt.“
Noch ehe der Zauberer ihm
eine Antwort zu geben vermochte, fing der Morgen an zu grauen und aus den
ersten Sonnenstrahlen, die den magischen Berg streiften, entwickelte sich der
herrliche Gesang der Vögel.
Sebastian blickte den
Zauberer erwartungsvoll an, um seiner Frage willen, doch dieser war, durch das
Pfeifen und die beruhigenden Melodien der Natur, eingeschlafen.
Acht Stunden vergingen und
der Erschaffer des Sebastian im Träume erwachte nicht wieder, es schien als
träumte er vom zukünftigen Leben des Eilandes, es schien als lächelte er und
sei zufrieden ob der Offenbarung die ihm im Schlafe zu Teil wurde.
Sebastian, der die ganze
Zeit an seiner Seite, auf einem Schemel sitzend, gewacht hatte, konnte kaum den
Augenblick des Erwachens, der Aufklärung der Magie erwarten und so versuchte er
den Meister zu erwecken. Nach mehreren Versuchen schließlich erwachte dieser
und seine Augen waren erfüllt von einem Glanze, der auf das Angesicht des
kleinen Sebastian strahlte, von einem magischen, fröhlichen, stimmungsvollen
Geist.
Aufgeregt über sein langes
Warten, der Antwort willen, wollte Sebastian natürlich sofort vom schlaftrunkenen
Magier das Geheimnis der Botschaften erfahren:
„Wie hast Du das gemeint, mit den Botschaften, Zauberer? Wie genau
willst Du eine Reformation erschaffen? Aufgrund welcher Art von Zaubersprüchen
willst Du das Land verändern?
Nenne mir einen.“,
so forderte er ihn auf und
blickte ehrfürchtig in seines Lehrers Augen.
Der Meister antwortete:
„Der vernünftige rationalisiert die Welt und tut ihr damit Gewalt an,
doch der Aufhalt der Gewalt, das Herrliche, es kann nur aus euch selbst
kommen.“
Staunend über diese
wohlüberlegte Aussage sah Sebastian den Zauberer überrascht an.
„Ja, so kann es geschehen, der Wissende muß daraus eine Lehre ziehen,
doch alleine die Lehre, diese Moral, wird nicht genügen. Weißt Du noch mehr
solche Botschaften der Magie?“ fragte ihn der kleine Schöpfer. “Überhaupt, wenn
Du so gute Ideen hast, wozu brauchst Du dann einen Zauberer wie mich, einen
idealen Menschen?“
Der Magier antwortete:
„Ich brauche einen Redner, der nachdem die Botschaften angekommen sind,
das Volk letztlich vom künstlerischen überzeugt, der mit Wortgewalt und Esprit
den entscheidenden Schritt begeht und das Paradies der neuen Welt einleitend
begrüßt. Ich brauche einen neuen Lenker, der die Werte der Kunst überschaubar
macht!“
Stolz blickte Sebastian auf
und sprach:
„So soll es geschehen, laß uns die Botschaften der Liebe, des Friedens
und der Natur, der Magie also, zu den Menschen bringen, auf daß so schnell wie
möglich die Änderung eintritt und die Menschen begreifen worin ihr
ursprünglicher Sinn liegt!
Nun liegt es wohl nur noch daran, wie man die Botschaften zu den
Bewohnern bringt, ihnen ihren Sinne erklärt! Wie stellst Du Dir das vor,
ehrenwerter Meister ?“
„Die einfachste und beste Möglichkeit ist es, die Aufforderungen und
Appelle an die Fassaden der Häuser zu schreiben, so daß sie lesbar sind und
ewiglich ihren Sinn behalten.
Laß uns noch etwas ruhen und in dieser Nacht die Zaubersprüche an die
Wände der Fabriken und Häuser mallen, so daß, wie du sagst, die Änderung so
schnell als möglich eintreten kann und Cogite einsehen muß, daß mit Vernunft
alleine nichts erreicht wurde; daß Geld und Macht im Gegensatz zu Kunst und
Kultur, zum Großartigen steht; daß Weltgeist nicht länger eine Materialisierung
erlebt, sondern den Urtrieb aller Faszination.“
Nach diesem Gespräch
starrten beide wortlos in die Glut des Feuers, voll Euphorie der Sache willen.
Als die Nacht gekommen war,
machten sie sich bereit, aus dem ausgebrannten Ofen die Kohlen, mit denen die
Ausführung der Bemalung stattfinden sollte.
Leise, wortlos kletterten
Sebastian und der Zauberer den Abhang des magischen Felsens hinab ins Tal zur
Stadt Cogite. Lange dauerte der Fußmarsch und sie überquerten viele Felder, bis
vor ihnen im Schein des Mondlichtes die ersten Fabrikhallen und Schornsteine erschienen.
Beide wußten was zu tun war und so schrieben sie an die Hallen in großen,
rußschwarzen Lettern:
„Der Vernünftige
rationalisiert die Welt und tut ihr damit Gewalt an, doch der Aufhalt der
Gewalt, das Herrliche, es kann nur aus euch selbst kommen.“
„Die Bösen werden
geschlachtet
Die Welt wird gut“
„Haben und sein, das Spiel
der Gegensätze, wobei wer ist was er ist, gewinnen muß.“
„Jedem Neubeginne
wohnt ein Zauber inne.“
„Das muß zunächst genügen.“ ,flüsterte der Zauberer,“ Nun gehen wir in die
Stadt und nehmen uns die Häuser und den Palast vor!“
Wieder gingen beide wortlos
über die Felder, bis sie, in der sternklaren Nacht, die Umrisse Cogites, der
Stadt der Vernunft erkennen konnten.
Zum Glück der beiden,
schliefen die Wachen am Tor und so war der Eintritt in die Stadt ein leichter.
In der Stadt selbst gab es
ungefähr 100 Häuser und in der Mitte, der kreisförmig angelegten Anlage, lag
der Palast.
Nun trennten sich die Wege
der beiden, Sebastian ging linksherum, der Zauberer rechtsherum, bis sie sich
wieder treffen wollten. Als beide alle ihrer zu beschriftenden Häuser mit ruß
geschwärzt hatten, kam der kleine Sebastian als erster beim Schloße Cogites an.
Wenige Augenblicke später, des Alters wegen, zeigte sich auch das nächtliche
Antlitz des Zauberers.
Sebastian fragte leise:
„Was willst Du hierhin schreiben, Meister?“
Der Zauberer antwortete:
„Den höchsten aller Zaubersprüche die mir jemals bewußt waren und sein
werden!“
Er fing leise an die Mauer
des Palastes zu beschriften:
„Die Welt muß romantisiert
werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder.
Denn:
Nur ein Künstler kann den
Sinn des Lebens erraten.“
„Wunderbar.“, wisperte Sebastian ihm zu, “und was machen wir jetzt?“
Der Zauberer drehte sich
leise um und sprach so ruhig er es nur konnte, um die Wachen nicht zu wecken:
„Nun, werden wir uns in die Nähe der Stadt, in die Felder legen
und dort warten, bis zum Morgengrauen, damit wir wissen ob die Nachrichten
ihren Sinn nicht verfehlten.“
Und so machten sich die beiden, der Zauberer und
sein Sebastian, auf , um ein Versteck zu finden, das sich eignete die Nacht
ohne Gefahren zu überstehen und so voller Erwartung die Antwort des Volkes zu
empfangen.
Der Morgen graute, Sebastian weckte den Zauberer und
sie warteten auf den hoffentlich bald entstehenden Tumult, denn dieser würde
für sie das Signal sein, in die Stadt zu gehen und die Menschenmassen letztlich
aufzuklären, was die rußernen Schriften auf ihren Häusern zu bedeuten hätten.
Tatsächlich hörten sie den bösen Cogite fluchen und
die Leute, so konnte man durch das Tor erkennen, waren vor dem Palast
zusammengelaufen.
„Wer von euch war das? Wer hat diese Schriften auf
die Häuser gebracht?“ rief Cogite, wütend, von seinem Balkon herab zur Menge.
Das Volk rief wie aus einem Munde:
„Du wirst uns nicht länger
terrorisieren, wir kennen das Spiel der Gegensätze: Wir sind und Du hast und
das wird sich Ändern!“
Wutentbrannt, mit rotem Kopfe stand Cogite auf
seinem Balkon und wußte nicht was er tun sollte, die Menge konnte nicht von
seinen Soldaten zur Ruhe gebracht werden, denn diese hatten sich auf die Seite
des Volkes gestellt.
Einige Cogitoianer versuchten über die Palastmauern
zu klettern und den bösen Tyrannen der Vernunft in die Tiefe zu stürzen. Das
Volk war dermaßen in Rage, daß es der beiden Zauberer durch das Tor nicht
bemerkte.
„Ruhe!“, schrie der Zauberer
mehrmals, „Ruhe!“
Die Menschen verstummten und drehten sich zu den
beiden um.
Nun war Sebastian gefordert und trat in die Mitte
der Menge, bis er auf einer erhöhten Position stehenblieb, von der aus ihn alle
Cogitoianer hören konnten.
„Hört mich an!“, rief
Sebastian, zu den Bewohnern der Stadt,
„Ich und mein Erschaffer, der kluge Zauberer, haben euch diese Nachrichten
geschickt, weil wir nicht länger gewillt waren, zuzusehen wie Cogite den Terror
der Vernunft ausübt, wie er Euch in Fabriken arbeiten läßt, Euch zwingt durch
Geld glücklich zu sein. Wir wollen dies Umstände der Vergangenheit überlassen
und fortan die Magie, die Euch durch den Zauber der Sprüche zukam, ausbauen und
aus dieser eine magische Insel machen, die im Einklang mit der Natur lebt, die
Freude auf Euch Menschen herabbringt, die den Geist, der in ihr wohnt, in neuem
Glanze erstrahlen läßt.
Ihr sollt Spaß an Eurer
Arbeit haben, aber nicht an der Fabrik, sondern in Handwerks- und Kunstarbeit.
Das Brot soll wieder von einem richtigen Bäcker gebacken, Möbel sollen von
Schreinern gefertigt werden, es soll Steinmetze geben, Maler, Bauern. Alle
Berufungen die es geben sollte, um ein Leben auf unserem Planeten zu
ermöglichen. Aber die Arbeit selbst soll niemals mehr mit Geld gewürdigt
werden, es soll Kunst betrieben werden um der Kunst willen. Damit meine ich,
ein Brot soll fortan nicht mehr mit Geld bezahlt werden, sondern mit einem
Gedicht, einem Lied gewürdigt werden, ein Pferd mit einem Buch oder einem Bild
das Ihr erstellt habt. Ihr sollt zufrieden sein und an Euch glauben,
zusammenhalten, denn nur ein Künstler, und dies sollt Ihr fortan sein, kann den
Sinn des Lebens erraten!“
Das Volk jubelte und schrie:
„Wir wollen Künstler sein,
den Sinn des Lebens erraten.“
„Ich sehe Ihr glaubt und
wünscht was ich sage, so will ich dies Land zu Ehren meines Zauberers, der mich
erschuf, der mich Sebastian taufte, den Namen Magus, sowie das Wort das an den
Palastmauern prangt Romantikus nennen, denn sie sind uns Zauberern heilige
Worte. Fortan soll dieses Land Magus Romantikus heißen und Ihr sollt durch
Euren Zusammenhalt, den Glauben zur Natur und an den Frieden regiert werden,
durch die Macht die Ihr selbst bildet. Cogite soll nun einer von Euch sein, er
soll nicht sterben, er soll genauso wie Ihr ein Magier sein, den Ihr mit
Wohlwollen aufnehmt in Eure Reihen und ihm verzeiht was er tat. Die Stadt nenne
ich nun Bunte Kuh und will Euch nun verlassen, in die Berge gehen, doch einmal
im Jahr komme ich mit meinem Lehrherren wieder
und betrachte mir, was aus Euch wird. So sei es.“, sprach er.
Im Jubel der Menge erstrahlte die Sonne über dem
Magier, so das sie wußten wie weise seine Worte waren.
Aus den terrorisierten Cogitoianern wurden endlich
Künstler, die sich einander gern hatten, die zu leben verstanden, so wie es
ihnen Sebastian vermittelt hatte. Das Volk blieb nun glücklich und wenn sie
nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
Ende